Wenn Krippe, Tagespflege, Kindergarten oder Kita plötzlich für 5 Wochen schließt, weil ein Corona Virus kursiert, dann bringt das nicht nur unser (Arbeits)Leben durcheinander, sondern vor allem unsere Kinder. Die einen freuen sich über freie Tage, die anderen vermissen ihre Freunde und Erzieher*innen oder verstehen nicht, warum sie auf einmal nicht mehr zur*zum Tagesmutter*vater gehen, obwohl sie doch gerade erst eingewöhnt und angekommen waren.

Corona bringt die ganze Welt in Bewegung und gleichzeitig sollen wir ruhig bleiben, soziale Kontakte vermeiden und unseren Familien- und Berufsalltag entschleunigen.

Corona fordert heraus: Medizin, Politik, Wirtschaft und mittendrin sind wir Eltern – irgendwie überrumpelt und oft noch ratlos, wie das alles mit der Kinderbetreuung klappen soll. Mittendrin sind aber auch unsere Kinder – sie spüren die Aufregung und Sorgen und brauchen uns jetzt ganz doll.

Es gibt Kinder, die gehen schon lange in Krippe oder Kindergarten und schwingen im Kita-Rhythmus. Sie haben eine Bindung und Beziehung zu den Erzieher*innen aufgebaut und erfahren von ihnen Zuwendung und Orientierung. Je älter Kinder sind, desto bewusster und wichtiger sind ihnen auch ihre Freunde und sie vermissen ihre Spielgefährten jetzt umsomehr. Das kann neben der allgemeinen Verwirrung, warum die geliebte Kita nun plötzlich für eine lange Zeit geschlossen bleibt, vor allem zu großem Kummer führen.

9 Wege, dein Kind emotional aufzufangen, weil die Kita wegen dem Corona Virus geschlossen ist

Es ist eine Sammlung an Möglichkeiten und Ideen, alles kann – nix Muss. Such dir aus, was dir und deinem Kind gefällt. Probiere aus. Entwickle Ideen weiter. Feel free.

1 – Tröste dein Kind

Auch wenn dein Kind wegen einer „Kleinigkeit“ weint und du evtl. gar keinen direkten Zusammenhang zur Kita sehen kannst, ist es wichtig, dein Kind immer zu trösten, weil es dich braucht.
Kummer zeigt sich auf verschiedenen Wegen und auch eine scheinbar alltägliche Situation (der Reißverschluss klemmt, das Spielzeug ist kaputt gegangen) kann bei einem Kind das Faß zum Überlaufen bringen und es weint. Es weint die gefühlte Anspannung und Unsicherheit hinaus oder gibt der versteckten Trauer nach, weil es seine Freunde vermisst – auch ohne dass es das konkret formulieren kann.

Trost spenden bedeutet dein Kind z.B. in den Arm nehmen und einfach DA sein. Du kannst die Gefühle deines Kindes spieglen und z.B. sagen „Ich spüre, dass du ganz traurig bist. Ich bin für dich da.“ oder einfach nur still DA sein und den Raum halten bis dein Kind sich beruhigt hat.

2 – Erkläre Corona kindgerecht

Je nach Alter und Interesse deines Kindes kannst du erklären, was es mit dem Corona Virus auf sich hat.


Zwänge nichts auf und achte darauf, dass es nicht so rüberkommt, als wäre das Virus oder die Krankheit IN der Kita. Dein Kind soll keine Angst entwickeln, damit es auch nach der Pause wieder gern hingehen kann.
Auch ein bis zwei kurze, einfache Sätze können schon ausreichend sein. Wenn dein Kind mehr wissen möchte und nachfragt, reagiere angemessen mit weiteren Informationen.


3 – Zeige deinem Kind die geschlossene Kita

Ein Foto vom Kindergarten oder Google Maps Streetview können helfen, deinem Kind zu zeigen, dass in der Kita gerade wirklich nichts los ist. Denn alle Erklärungen, gerade für jüngere Kinder, sind sehr abstrakt und oft nicht hilfreich. Manchmal ist es besser seinen Augen zu trauen.

Falls du überlegst an der Tagespflege-Wohnung oder der Kita vorbeizufahren, damit dein Kind tatsächlich sehen kann, dass ZU ist, beachte die derzeit geltenden Vorsichtsmaßnahmen und bedenke ebenfalls, dass es möglich ist, dass dein Kind dann unbedingt hineingehen will und es evtl. sogar schwieriger wird es zu trösten und zu begleiten.


4 – Macht Phantasiereisen, damit dein Kind die Kita „besuchen“ bzw. sich verabschieden kann

Geh mit deinem Kind auf eine Traumreise, wenn z.B.
* die Sehnsucht nach den Freunden oder den Erzieher*innen groß ist
* dein Kind sich nicht richtig verabschieden konnte (und deswegen z.B. traurig ist)
Legt euch bequem zusammen hin und erzähle deinem Kind vom letzten Kindergartentag. Erzähle, was tatsächlich passiert ist und spult dann den „Film“ nochmal zurück und dreht eine neue Version, z.B. mit einer intensiven Verabschiedung von der besten Freundin oder dem Lieblingserzieher. Oder geht auf die Traumreise in die Kita und lass dein Kind dort alle Freunde und Bezugspersonen treffen, die ihm wichtig sind und einen fröhlichen Tag verleben. Beschreibe Situationen, bei denen dein Kind freudig mit den anderen Kindern spielt und spannende Momente erlebt. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Falls es dir schwer fällt, frage dein Kind was es am Liebsten in Krippe oder Kindergarten macht und erzähle nach.

5 – Nutze digitale Möglichkeiten zur Kommunikation unter Kindern

Lieblingsfreunde vermissen ist echt doof. Sie zu sehen und/oder zu hören kann die Stimmung heben. Nutze einen Messenger deiner Wahl und sende mit den anderen Eltern Fotos, Videos, Emojis oder Sprachnachrichten hin und her. Die Kinder freuen sich ganz bestimmt.
Auch kostenloses Videotelefonieren via Skype oder Zoom ist eine tolle Möglichkeit und noch interaktiver als die Messenger-Kommunikation.

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6 – Male mit deinem Kind Bilder und versende sie per Post

Ein bisschen oldschool, aber ich mag es: Briefe „schreiben“. Es ist eine weitere Möglichkeit aneinander zu denken, sich zu erinnern und sich dabei zu freuen: von den liebsten Orten oder Spielen in der Kita ein Bild malen und dieses anschließend an den Kindergartenfreund oder die Lieblingserzieherin senden. So hat man auch gleich noch eine wunderbare Beschäftigung und kann mit dem Kind entspannt ins Gespräch kommen. Und außerdem kann so eine Brieffreundschaft auch schon im Kindergartenalter entstehen – das ist was ganz Besonderes.

7 – Nutze Rollenspiele, damit dein Kind Gefühle und Gedanken verarbeiten kann

Das „Als-ob-Spiel“ ist eine super Möglichkeit gemeinsam mit dem Kind in beziehungsstarke Kommunikation zu kommen, ohne bohrende Fragen stellen zu müssen. Auf z.B. „Was ist los? Warum bist du traurig?“ wissen Kinder oft keine Antwort. Sie spüren, dass da was ist, ohne es benennen zu können.
Im Rollenspiel können Freunde aus der Tagespflege, Krippe oder Kita nach Hause geholt werden, was ja zur Zeit wegen dem Coronavirus nicht möglich ist. So kann dein Kind z.B. den evtl. fehlenden Abschied bewusst nachholen oder bei Kummer und Vermissen, weil die Kita geschlossen ist, eine fröhliche Situation aus dem Kita-Alltag nachspielen. Ihr könnt Figuren oder Puppen verwenden oder du kannst selbst die beste Freundin*der beste Freund deines Kindes sein. Lass dich darauf ein und es wird lustig!

8 – Übe mit deinem Kind die Wunscherfüllung in der Phantasie

Zugegeben, diese Kommunikation braucht ein bisschen Geduld, aber wenn es sich etabliert hat (und man es nicht inflationär verwendet), kann sie wunderbar helfen. Denn für Kinder sind Erklärungen, warum xyz grad nicht geht keinesfalls so logisch wie für uns Erwachsene. Kindliches Verständnis hält sich demnach oft in Grenzen. Mit der Wunscherfüllung in der Phantasie ergibt sich jedoch z.B. folgender Dialog:

Kind: „Ich möchte meine Freundin Ella sehen.“
Du: „Ich wünschte das wäre möglich.“
Kind: „Aber ich will sie unbedingt sehen und mit ihr spielen!“
Du: „Ich habe gehört, wie gern du jetzt mit ihr spielen möchtest.“
Kind: „Ich wünschte ich wäre mit ihr im Kindergarten.“
Du: „Und ich wünschte, ich könnte mit meiner Zauberkraft (das Virus wegzaubern und) den Kindergarten für euch zum Spielen öffnen.“
Kind: „Vielleicht können wir Ella anrufen?“
Du: zauberst das Handy aus der Tasche

Adele Faber/Elaine Mazlish: So sag ich´s meinem Kind. (C) Oberstebrink, 4. Auflage 2014, S. 31 (Dialog frei angewendet: SvB)

9 – Schau mit deinem Kind das Kita-Freundebuch an

Vielleicht hat dein Kind schon ein Freundebuch, was ihr nun gemeinsam anschauen könnt, falls sich niemand auf die digitalen oder analogen Nachrichten zurückmeldet.
Oder ihr habt noch keins, dann wäre es jetzt auch ne gute Gelegenheit eins zu besorgen. Zum Beispiel bei Marie von Ms Slow. Ihr Freundebuch ist so gestaltet, dass die Kinder (ab ca. 4 Jahren) es auch ohne erwachsene Hilfe selbst ausfüllen können.

Ich habe das Vorgänger-Modell vor zwei Jahren gekauft als mein Sohn die Kita gewechselt hat.

Jetzt gibt´s ein niegelnagelneues Freundebuch, was du vorbestellen kannst: Meine Freunde und der magische Zirkus.
Ja, das ist Werbung. Aber erst recht in Zeiten wie Corona dürfen wir Selbständigen uns gegenseitig noch mehr unterstützen.

Welche Idee wirst du umsetzen?
Oder hast du noch Fragen zu den einzelnen Vorschlägen?

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